Public Enemy definierte die Regeln des Hip Hop neu und wurde zur einflussreichsten und umstrittensten Rap-Gruppe der späten 80er Jahre - und für viele ist es die beste Rap-Gruppe aller Zeiten. Aufbauend auf den Street-Beats von Run-D.M.C. und Boogie Down Productions Proto-Gangsta-Rhymes entwickelten Public Enemy eine Variante des Hardcore-Rap, welche sowohl musikalisch als auch politisch als revolutuionär galt. Mit seiner kraftvollen, unverwechselbaren Stimme, rappte Frontman Chuck D über alle Arten von sozialen Problemen, speziell von denen, die die schwarze Bevölkerung Amerikas betreffen. Er machte Hip Hop zum Sprachrohr der schwarzen Gesellschaft Amerikas.
Musikalisch waren Public Enemy so revolutionär, weil ihr Produzententeam, The Bomb Squad, eine völlig neuartige Soundkullisse schufen. Ein hochexplosiver Mix aus messerscharfen James-Brown-Beats, pumpenden Basslinien, gesampleten Sirenenklängen und wilden Scratches.

Dies war Ende der 80er Jahre eine chaotische, kräftige Musik, die durch die kräftigen Vocals von Chuck D und die Raps von Flavor Flav erst voll zur Wirkung kam. Flav's Markenzeichen sind die Sonnenbrille, eine Riesen-Uhr um den Hals und viel zu grosse Klamotten. Er wurde durch sein Outfit zum Aushängeschild der Band, nahm aber kaum Einfluss auf die Musik.

Während die Rap- und Rockbands der späten 80er bei den Kritikern recht gut weg kamen, waren Public Enemy wegen ihrer militanten Haltung und Texte auf ständigem Crashkurs mit ihnen. Jedoch machte genau dieser Crashkurs Public Enemy berühmt. Nach dem 1988er Album "It takes a Nation of Millions to hold us back" war der Durchbruch endgültig geschafft. Anfang der 90er Jahre wurde dann klar, dass Public Enemy die wohl einflussreichste und radikalste Band dieser Zeit war.

Chuck D wird von Rappern auf der ganzen Welt zitiert, sein Wort ist in der Szene und weit darüber hinaus auch heute, über zehn Jahre nach dem Durchbruch von Public Enemy, noch immer Gesetz.

Chuck D (alias Carlton Ridenhour - geb. 01.08.1960) gründete Public Enemy 1982, als er an der Adelphi Universität in Long Island (New York) Grafikdesign studierte. Er jobbte zu dieser Zeit als DJ beim Studentenradio WBAU. Dort traf er auf Hank Shocklee und Bill Stepheny. Alle drei hatten die Verbundenheit mit Hip Hop und der Politik gemeinsam und wurden zu unzertrennlichen Freunden. Shocklee sammelte Hip Hop Demo-Tapes und Ridenhour rappte über einen Song "Public Enemy No. 1". Etwa zur selben Zeit begann er unter dem Pseudonym "Chuck D" seine Sendung beim Radiosender zu moderieren.
Rick Rubin, Mitbegründer des Labels DefJam, bekam ein Demo-Tape von "Public Enemy No.1" in die Hände und sofort wollte er Chuck D bei seinem gerade gegründeten Plattenlabel verpflichten. Anfangs zögerte Chuck D, er wollte sein eigenes Konzept mit in den Handel einbringen.
Er gewann Hank Shocklee als Produzenten und Bill Stephney als Publizisten und formierte eine Crew mit DJ Terminator X (alias Norman Lee Rogers - geb. 25.08.1966) und dem "Nation of Islam" - Mitglied Professor Griff (alias Richard Griff) als Choreographen für die Tänzer, die Security of the First World, welche mit ihren Uniformen, falschen Uzi's und kämpferischen Tanzbewegungen eine Homage an die alten Stax- und Motown-Dancers darstellen sollten. Chuck D holte noch seinen alten Freund Flavor Flav (alias William Drayton - geb. 16.03.1959) als zweiten Rapper in die Crew. Flavor Flav stellte den "Joker" dar, der Gegensatz zu den harten Vocals und den düsteren Rhymes von Chuck D.

Public Enemy's Debüt Album "Yo! Bum Rush the Show" wurde 1987 bei DefJam Records veröffentlicht. Die eher spärliche Beats und die kraftvolle Rhetorik wurden von den Hip Hop kritikern begrüsst, jedoch wurde die Platte vom Rock- und R'n'B-Mainstream ignoriert.

Ihr zweites Album "It takes a Nation of Millions to hold us back" (1988) konnte man unmöglich ignorieren. Unter Shocklee's Führung entwickelte Public Enemy's Produktions-Team "Bomb Squad" einen neuen Sound, mit kräftigem Bass, verschiedensten Samples und schrillen Geräuschen, Chuck D's Rhetorik gewann an Bedeutung und Flavor Flav's Rap-Einlagen wurden wilder und witziger. Das Album wurde sowohl von Rap- als auch von Rock-Kritikern als revolutionär bezeichnet - und genau das war es auch. In den nächsten Jahren sollten weit über 30 Tourneen in über 40 Ländern mit weit über 1.000 Shows folgen. Sie machten Public Enemy weltweit bekannt und zu der Rap-Band schlechthin. Chuck D wurde zur Legende, bevor er 30 wurde. Zahlreiche Gold- und Platin-Alben, sowie ein Platin-Video folgten.

Das dritte Album "Fear of A Black Planet" erschien Anfang 1990. Die Singles "911 is a Joke", "Brothers gonna work it out" und "Fight the Power" wurden Top 10 Hits in den R'n'B-Charts. "Fight the Power" wurde zum Soundtrack von Spike Lee's Film "Do the Right Thing".

Für das nächste Album "Apocalypse '91...the Enemy strikes black" wurde der Song "Bring Tha Noize" mit der Trash-Metal Band Anthrax neu aufgenommen. Das Album erntete positive Kritik und landete auf Platz 4 der Album-Charts. Auf ihm waren Hits wie "Can't truss it" und "Shut 'em down" enthalten.

 

Ende 1992 kam das Remix Album "Greatest Misses" heraus. Doch dann wurde es langsam ruhig um Public Enemy. Flavor Flav geriet mehrmals in Konflikt mit dem Gesetz. 1993 standen Public Enemy kurz vor der Trennung als Flavor Flav wiederholt mit Drogen zu tun hatte.

1994 fand die Band wieder zusammen und brachte im Sommer das sechste Album "Muse-sick-n-Hour-Mess-Age" heraus. Die Presse gab schon vor dem Erscheinen schlechte Kritiken ab. Das Album stieg auf Platz 14 in die Charts ein, da jedoch keine weiteren Singles ausser "Give it up" erschienen, verschwand es bald wieder aus den Top 100.

 

Chuck D zog sich 1995 von Public Enemy zurück, löste den Vertrag mit DefJam, gründete sein eigenes Label und seinen eigenen Musikverlag. 1996 veröffentlichte er sein erstes Solo Album "Autobiography of Mista Chuck". Als dieses Album veröffentlicht war, beschloss er, Public Enemy wiederzuvereinen und im kommenden Jahr ein neues Public Enemy Album aufzunehmen. Bis dahin hielt er Vorlesungen an Universitäten, arbeitete regelmässig für Radio und TV Sender als Kommentator und veröffentlichte seine Autobiographie in Buchform mit dem Titel "Fight the Power - Chuck D on Rap, Race and Reality", welche zum nationalen Bestseller wurde.
1997 wurde Public Enemy in alter Besetzung wieder zusammengestellt. Ihr Comeback feierten Public Enemy mit dem Soundtrack zu Spike Lee's "He got Game - Spiel des Lebens", welcher eigentlich mehr ein Album als ein Soundtrack war. Dieses Album wurde im April 1998 veröffentlicht und wurde zum erfolgreichsten Public Enemy Album seit "Apocalypse '91...the Enemy strikes black".
1998 und 1999 wurde von Public Enemy eine ganze Menge im Bereich Internet, MP3 und Online Broadcasting getan. Sie unterzeichneten einen Vertrag mit der Online-Plattenfirma ATOMIC POP.

So wurde ihr achtes Album "There's a Poison going on" (1999) ausser auf CD auch im Internet für 8,95 Dollar komplett zum Download angeboten. Alternativ dazu konnte man auch eine ZIP-Diskette bestellen auf der alle Tracks als MP3 und das Video zur Single "Do you wanna go our way???" als AVI enthalten waren.

Die Plattenindustrie und ihre Vermarktungspolitik wurde in den Songs "Swindlers Lust" und "Do you wanna go our way???" besonders angegriffen.

Dies löste natürlich einen ungeheuren Presserummel aus, vor allem, weil ATOMIC POP das Album per Internet ca. sechs Wochen früher als auf CD anbot.

Chuck D's Kommentar: "I don't really give a hell about what technology is the best, just as long as it makes it easier for the consumer to get to. Streaming beats the hell outta radio and downloading kicks record stores in the ass, so that's the bottom line in my book."

Anfang 2000 veröffentlichte Flavor Flav sein erstes Solo Album "It's about Time".

Public Enemy plant für das Jahr 2000 die Veröffentlichung des ersten Teils des P.E. Archives. Dies wird ein Mix aus alten Songs und bisher unveröffentlichtem Material sein.